Katharinenfeier in Amstetten: Katharina von Siena - Patronin und Weggefährtin der kfb | Katholische Frauenbewegung
 

 
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Katharinenfeier in Amstetten: Katharina von Siena - Patronin und Weggefährtin der kfb

Bei einem Festakt in der Amstettner Klosterkirche wurde die heilige Katharina von Siena zur Patronin und Weggefährtin der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten (kfb) ernannt. Kfb-Vorsitzende Anna Rosenberger erinnerte an den langen Prozess. Österreichweit habe sich die Frauenbewegung intensiv mit der Heiligen beschäftigt. Dies sei ein besonderer Tag für die Frauen in der Kirche, so Rosenberger. Sie kündigte an, dass künftig am 29. April die heilige Katharina in möglichst vielen Pfarren und Dekanaten gefeiert werden sollen. Rosenberger: „Die heilige Katharina vereint uns Frauen über Konfessionen hinweg und gibt uns Kraft.“ Mit ihr sollen die Anliegen der Frauen in der Kirche sichtbar gemacht werden. Die Frauen seien aufgerufen, sich an ihr ein Beispiel zu nehmen und das uns Mögliche heute schon zu machen. Auch wenn Papst Franziskus gesagt habe, dass für Frauen manche Türen verschlossen bleiben, wolle die Frauenbewegung mutig bleiben und die Rolle der Frauen in der Kirche immer, und immer wieder ansprechen. Und die Frauen würden auf Antworten warten. Die kfb-Vorsitzende: „Nichts wäre trauriger, als wenn sich die Frauen von der Kirche abwenden würden."

Bischof Küng: Katharina ist Kraftquelle
Diözesanbischof Klaus Küng würdigte in seiner Festrede die neue Patronin für ihre Klarheit, für ihren Mut, für ihre Leidenschaft und für ihre Ausstrahlung. Obwohl sie aus einfachsten Verhältnissen stammte und kaum Bildung hatte, entfaltete sie eine große Wirkkraft und habe viele Vorträge gehalten. Sie habe früh mystische Erfahrungen gehabt und lebte im Alter zwischen 12 und 15 Jahren zurückgezogen fast nur in ihrer Kammer. Dann habe sie sich den Fragen der Gesellschaft zugewandt und sei nach außen gegangen, habe sich um Kranke gekümmert und besuchte Menschen in unsicheren Stadtvierteln von Siena. Im frühen Alter wollte sie ins Kloster eintreten, sei aber abgelehnt worden. Katharina habe gelernt in sich zu gehen und schöpfte aus den Kraftquellen Gebet und Eucharistieempfang, die sie täglich empfing, was eine seltene Ausnahme in der damaligen Zeit war. Ihre Seelsorger müssten also schon bald ihr Ernsthaftigkeit als Christin erkannt haben. Sie habe sich zu einer starken Persönlichkeit entwickelt mit großer Autorität. Vielen Menschen hätten sie damals als Ratgeberin aufgesucht. Dabei habe sie eine große Energie entfaltet, so Bischof Küng. Sie habe sich ganz in den Dienst Gottes gestellt. Ihre Liebe zu ihm und zu den Menschen habe sich in Werken gezeigt, die sie aufrichtig und selbstlos tat. Sie sei weiters von Leidensfähigkeit geprägt gewesen und sei schließlich gestorben, weil sie aufgrund ihres Dienstes für die Mitmenschen ausgezehrt war. Bei Katharian dürfe man nicht nur ihre Visionen oder das Außerordentliche sehen. Sie dürfte auch nicht auf einen der vielen Teilaspekte reduziert werden, sondern sie müsse als Gesamtes betrachtet werden. Zentral seien bei ihr das Gebet, das Ringen um Jesus, die Nächstenliebe und ihre Sehnsucht zu helfen gewesen. Bischof Küng: „Die heilige Katharina ist eine große Quelle, aus der wir schöpfen können.“

Auch Generaloberin und „Hausherrin“ Franziska Bruckner verwies darauf, dass sich Katharina nicht geschont habe und sie habe Missstände beim Namen genannt – auch in der Kirche. Sie habe viel Kraft und Mut gehabt, dem Evangelium zu dienen. Die kfb-Weggefährtin sei sicherlich auch ein Vorbild für Frauen, die sich in den Pfarren engagieren. Auch verbinde sie Frauen und habe den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit vorgelebt.
In Vertretung von Landeshauptmann Erwin Pröll sprach Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer bei dem Festakt. Katharinas Säulen seien Glaube und Werthaltung gewesen. Sicherlich sei sie auch ein schwieriger Mensch gewesen, aber sie habe durchgehalten, wenn sie gespürt habe, dass Anliegen richtig und wichtig seien. Visionen durchzusetzen sei damals genauso wichtig gewesen wie heute.
Bei der Katharinafeier in Amstetten wurde außerdem der Katharinenbogen der Tiroler Künstlerin Patricia Karg vorgestellt. Der Bogen soll ein Sinnbild für das Wirken der hl. Katharina von Siena sein. Katharina stellte Dogmen, starr wie Säulen, in Frage. Sie hat Druck ausgeübt und damit etwas „gebogen“ und in Bewegung gebracht. Im Kunstwerk wird aus der Säule ein Tor. Sie ist Wegbereiterin, wir können durch ihr Tor gehen. Es ist von edlem Inhalt. Wie ein großes Schlüsselloch öffnet sich uns Neues. Der Bogen erinnert auch an den Schleier über ihrem Haupt, es ist wie eine Bedeckung, ein Schutz, ein Verbinden. Das Werk umgibt uns wie ein Mantel, es spendet symbolisch Geborgenheit. Bei der Feier schritten die Teilnehmerinnen in einer feierlichen Prozession durch den Katharinenbogen.

Schutzpatronin von Europa
Katharina von Siena, 1347 als 24. Kind einer Färberfamilie in Siena geboren, erregte bereits in sehr jungen Jahren mit ihren öffentlichen Äußerungen zu kirchlichen wie politischen Belangen Aufsehen. Als Analphabetin, die sich den Dominikanerinnen angeschlossen hatte, stand sie in Kontakt mit hohen Amtsträgern, den Papst forderte sie in ungewohnt radikaler und offener Weise dazu auf, sein Exil in Avignon zu beenden, um eine Spaltung der Kirche zu verhindern. Ihr persönlicher sozialer Einsatz für Arme und Ausgegrenzte mobilisierte eine Reihe von Männern und Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft, gleichermaßen aktiv zu werden und ging einher mit Bemühungen um eine innere Reform der Kirche hin zu Armut und Demut. 81 Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1380 wurde Katharina von Siena heiliggesprochen, 1866 zur Schutzpatronin von Rom erhoben, später auch zur Schutzpatronin von Italien und Europa. 1970 wurde sie neben Teresa von Avila, Thérèse von Lisieux und Hildegard von Bingen als Kirchenlehrerin anerkannt. Ihr Todestag, der 29. April, wird von römisch-katholischer, evangelischer und anglikanischer Kirche gemeinsam als Tag des Gedenkens einer überzeugenden Glaubensgestalt begangen.

Bild 1: Landesvertreterin Michaela Hinterholzer, Generaloberin Franziska Bruckner, kfb-Vorsitzende Anna Rosenberger, Bischof Klaus Küng.
Bild 2: Unterzeichneten das Dekret.
Bild 3: Durchschreiten des Katharinen-Bogens.