Banner Katholische Frauenbewegung
Ein Tag für mich
Benefizsuppenessen 2020
Diözesanleitung
Zuhörerinnen
 
 

Aktion Familienfasttag 2023

Sorgearbeit über Ländergrenzen hinweg: Hintergrundinformationen zum Bildungsthema der Aktion Familienfasttag 2023

Was ist eigentlich Sorgearbeit? Sorgearbeit, die auch als Care-Arbeit bezeichnet wird, bezieht sich auf alle bezahlten und unbezahlten geleisteten Tätigkeiten, bei denen Menschen für andere sorgen oder für die alltägliche Versorgung anderer Menschen zuständig sind. Sorgearbeit umfasst dabei unzählige Tätigkeiten: die Pflege einer kranken Person, die Betreuung von Kindern, Beistand für Freund:innen in schwierigen Situationen, Kochen, Putzen und vieles mehr.

Wir leben in einer Zeit der Vielfachkrisen: Klimakrise, Corona-Krise, Wirtschaftskrisen, Krieg und Vertreibung – verschiedene, sich wechselseitig beeinflussende und zusammenhängende Krisenprozesse. Auch die Care-Krise ist integraler Bestandteil davon. Diese Krisen treffen nicht nur viele Menschen in den Ländern des Globalen Südens stärker, sondern die Folgen werden auch systematisch auf sie abgewälzt. Die Art wie wir produzieren, konsumieren und uns reproduzieren ist nur möglich, weil wir auf die natürlichen Ressourcen und Arbeitskräfte in Ländern des Globalen Südens zurückgreifen. Wir leben auf Kosten anderer.

Eine Care-Krise?  Viele, die in der Gesellschaft für andere Sorge tragen, sind durch geringes Einkommen, widrige Arbeitsbedingungen, Mehrfachbelastungen sowie emotionale Heraus- und Überforderungen überlastet. Das Problem ist strukturell: Sorgearbeit gilt als „privat“, wird individualisiert und abgewertet. Sie wird unsichtbar gemacht und verschwindet damit aus dem Bewusstsein. Sorgearbeit wird an die wirtschaftlichen Logiken von „je schneller, umso besser“ angepasst – verschärft durch Kosteneinsparungen und die Kürzung von öffentlichen Leistungen. Die Care-Krise bedeutet also, dass für Care-Arbeit „nicht mehr die erforderlichen finanziellen und zeitlichen Ressourcen zur Verfügung stehen und daraus vielfältiges soziales Leid entsteht.“  Gesellschaft kann ohne diese „systemrelevanten“ Sorgetätigkeiten nicht bestehen und trotzdem hat sich Fürsorge längst nicht als politisches Thema etabliert. 

„Lösungen“ auf Kosten anderer

Wie bei so vielen Krisen in unserer globalisierten Welt werden auch die Folgen der Care-Krise auf die Länder des Globalen Südens abgewälzt. Auf politischer Ebene haben sich Strategien etabliert, um diese Care-Krise zumindest kurzfristig zu lösen: Die Anstellung migrantischer Care-Arbeiter:innen, die für noch geringeren Lohn und zu noch schlechteren Bedingungen diese Sorgetätigkeiten verrichten. 11,5 Millionen Migrant:innen arbeiteten 2013 als Haushaltsangestellte – darunter sind knapp dreiviertel Frauen. Es entstehen Care-Ketten über Ländergrenzen hinweg: Entlang bestehender Machtverhältnisse wird die Care-Arbeit umverteilt. 

Für viele Frauen im Globalen Süden ist die Migration ein Ausweg, um ihren Kindern und Familien eine Perspektive zu bieten – verbesserte Schulbildung für Kinder, Gesundheitsversorgung für Partner:innen, Eltern und anderen Familienangehörige. Bei ihrem Aufbruch in fremde Haushalte verlassen die Arbeitsmigrant:innen ihre Familien, oft ihre eigenen Kinder, für die wiederum irgendwie gesorgt werden muss. Wo die Arbeitsmigrant:innen herkommen, entstehen also Sorgelücken, die teils von Familien und sozialen Netzwerken aufgefangen werden. 

Unter prekären Arbeitsbedingungen wird die Grundlage für das Fortbestehen unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems geschaffen: Eine Arbeitsteilung im Care-Sektor, die sich auf die globale Ungleichheit stützt. Die Abwertung dieser Arbeit bleibt bestehen, sie wird lediglich anders verteilt. Jedoch ein geschlechtergerechter Wandel zu einer guten Sorge für alle kann nicht auf dem Rücken anderer Frauen ausgetragen werden. 

Für eine faire Care-Arbeit! 

Damit Sorge gerecht gestaltet werden kann, müssen die Grundsätze und Regeln unseres Zusammenlebens verändert werden. Es geht um eine (materielle) Aufwertung von Sorge- und Care-Tätigkeiten, die sich im Hier und Jetzt in besseren Arbeitsbedingungen niederschlägt. 

Es geht nicht nur um den Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge, sondern auch darum, neue Wege des solidarischen Zusammenlebens zu suchen.